Was ist der Sinn des Lebens?

Das ist eine Frage, die ich mir immer wieder in meinem Leben stelle. Sie taucht besonders in solchen Momenten auf, wenn es mir nicht so gut gelingt, zur Ruhe zu kommen. In diesen unruhigen Momenten finde ich meist keine passende Antwort, weil mein Geist schnell von A nach B wandert, zwar Antworten findet, aber diese mehr flüchtiger Natur sind – selbst wenn sie einer spirituellen Quelle entspringen. Wenn wir nicht achtsam sind und uns nicht bewusst wird, was gerade in uns vor sich geht, kann es in schwierigen Momenten im Leben dazu führen, dass uns durch die Suche nach Antworten eventuell auch die Traurigkeit, Resignation oder sogar die Depression auf dem Weg begegnen. Und das ist ja eigentlich genau das Gegenteil, was wir durch die Beantwortung der Frage uns gewünscht haben, nicht wahr? Mein Ziel war es doch, warum ich mich auf die Suche begebe, dass es mir gut gehen soll, ich mich beruhige anstatt noch mehr Unruhe in mir zu produzieren….? Kennst Du das auch aus Deinem Leben?

Die Gedankenschleifen

Durch die Suche nach Lösungen, bleibt das Innerste weiterhin unruhig und wir Menschen bewegen uns in einer Gedankenschleife, die schon die ganze Zeit da war, in der sich nun durch die Suche nach einer Antwort nur der Inhalt geändert hat. Die Inhalte der Gedanken sind austauschbar und sehr flüchtig. Hier einen Ausgang zu finden, ist oft nicht so leicht. Es sei denn, ich erkenne, dass ich mich in einer Gedankenschleife befinde. In diesem Moment der Erkennens erscheint meist auch die Akzeptanz, wenn wir nicht mehr auf die Inhalte der Gedanken weiter eingehen und die Gedanken als das sehen, was sie sind – nur Gedanken. Sie kommen und gehen, sind vergänglich und haben keinen realen Bestand, es sei denn, wir handeln daraus. In solchen Momenten des Erkennens kann sich der Geist ein wenig beruhigen. Und im Zustand der Ruhe ist es viel leichter, fühlbare Antworten auf Fragen zu finden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um sich zu beruhigen.

So möchte ich Dich nun vom Herzen einladen, Dich in diesem Moment, in Ruhe auf die Frage nach dem Sinn des Lebens einzulassen.

Was ist nun der Sinn der Lebens?

Ich war vor ein paar Tagen in einem Schweige-Retreat und mein Lehrer begann unsere Begegnung mit genau dieser Frage und ich sagte mir: „Wow, das ist ja wirklich eine gute Frage!“ Und das Schöne in diesem Moment war, es ging mir gut. Ich war ruhig, entspannt und in der Freude. Die Welt im Aussen ließ mich für ein paar Tage in Ruhe. Ich sorgte ja auch bewusst dafür und stellte sogar mein Handy aus, was mir wirklich nicht leicht fiel, weil mir der Kontakt mit nahen und lieben Menschen sehr wichtig ist. Und genau diese Frage der Wichtigkeit im Kontakt mit Menschen zu sein, wollte ich mir im Retreat anschauen. Aber als die Frage nach dem Sinn des Lebens am ersten Abend im Raum war, wusste ich, dass es in diesem Retreat um mehr als nur um den Kontakt – um die Beziehung zu Menschen, die mir nah sind, geht. Ich fühlte Dankbarkeit, dass sich mein Blickfeld an jenem Abend weitete.

Welche Antwort fiel mir zuerst auf die Frage nach dem Sinn des Lebens ein?

„Ich will glücklich sein.“
Und mein Lehrer zitierte zeitgleich den Dalai Lama:
„Der Sinn des Lebens besteht darin, glücklich zu sein.“

Ich war froh und dankbar, diese einfache Antwort in mir sofort gefunden zu haben. Und gleichzeitig kamen die nächsten beiden Fragen in mir auf.

„Was brauche ich, um glücklich zu sein?“ und „Was steht meinem Glück im Weg?“

„Das wichtigste im menschlichen Leben ist Glück. Glücklich ist der, der Zufriedenheit, Freude und Erfüllung in sich spürt.“ Nun müssen wir auch wissen, dass unser Glück auch vom Glück der anderen Menschen abhängig ist und wir nicht losgelöst von der Welt leben. Ich habe Glück, dass ich in einem friedlichen Land leben darf. Mir ist aber auch bewusst, dass es in weiteren Teilen auf dieser schönen Erde, viele Menschen gibt, die nicht im Frieden leben und aufwachsen. Und hier sehe ich eine Verantwortung, die ich mit trage, auch wenn ich nicht direkt an den Konflikten und Kriegen auf dieser Erde beteilig bin, ich aber meinen inneren Anteil an eigenen Konflikten und Auseinandersetzungen sehe, die ich mit mir selbst und auch mit Menschen, die mir nah sind, habe.

Worum muss ich mich kümmern, um in Frieden zu leben und glücklich zu sein?

Die Beantwortung der Frage nach dem Glück kann für jeden im Detail sehr individuell ausfallen. Aber es gibt wichtige Säulen im derzeitigen menschlichen Dasein, die Bestand haben und wirksam sind, wie zum Beispiel die körperliche und geistige Gesundheit, sich in seiner Haut einfach wohl zu fühlen, gute und tragbare Beziehungen zu Menschen zu haben (und auch zu den Tieren und Pflanzen), eine Arbeit, die wirklich Freude bereitet, um seinen Lebensunterhalt bestens zu sichern, freie Zeit für die persönliche Weiterentwicklung und Regeneration des Körper und Geistes, gute und gesunde Nahrung für den Körper und Geist … und vieles mehr. Das ist erst mal eine Basis, die dazu führt, dass es uns gut gehen kann, wenn wir uns darum täglich kümmern und auch Dankbarkeit für das, was wir haben, entwickeln.

Bewusstwerdung – was brauche ich wirklich?

Was nehme ich täglich über meine Sinneskontakte zu mir? Was lasse ich besser weg? Hier weiß eigentlich jeder in seinem tiefsten Innersten sehr genau, was gut ist und was nicht. Und doch handeln wir Menschen nicht immer dementsprechend und die Folgen können Unerfüllheit, Leere, Langeweile oder gar Krankheit sein. Wir leiden und sind unglücklich. Und genau das können wir uns genauer anschauen. Ich gehe seit 30 Jahren den Weg der Selbsterkenntnis und forsche täglich in allen Bereichen meines Lebens. Ich schaue mir die Freude und das Leiden an und mich interessiert, wie diese entstehen. Mich interessiert, wie geht es den anderen Menschen um mich herum und welchen Einfluss hat mein Wohlergehen auf andere und umgekehrt. Mein Glück ist nicht nur mein eigenes Glück, sondern auch das Glück der anderen und umgekehrt. Es besteht zwischen mir und den anderen eine Wechselbezüglichkeit. Ich lebe in Verbindung mit den anderen, auch wenn es nicht immer sichtbar und fühlbar ist, aber ich weiß, dass es so ist, denn ich kann ja spüren, wenn es meinem Gegenüber nicht so gut geht und ich kann spüren, wenn es ihm gut geht. So ist unser Glück auch vom Glück der anderen abhängig.

Was führt zum Glück?

Es ist unmöglich  – wirklich fühlbar glücklich zu sein, wenn wir die Interessen der anderen Menschen ignorieren, uns auf Kosten anderer bereichern oder uns rücksichtslos das nehmen, was wir haben wollen. Das weiß jeder von uns, dass dieser Weg nicht zum Glück führen kann. Und doch gibt es Momente im Leben, wo wir einfach unbewusst handeln und dadurch Unglück statt Glück in unser und anderer Leben ziehen. Ich verurteile diesen Aspekt des Lebens nicht, denn es ist einfach auch ein Teil unserer menschlichem Natur, wenn wir uns in irgend einer Form bedroht fühlen oder in Not sind und aus einer Angst (Existenzangst) heraus so reaktiv unbewusst verhalten und erst später bemerken, was wir eigentlich getan haben. Niemand will das so und doch erzeugen wir das Leiden. Was führt denn nun zum Glück?

Könnte eine Orientierung hilfreich sein?

Ja, wir Menschen brauchen im Leben eine Orientierung, die uns trägt. Viele Menschen sind orientierungslos, haben keinen Halt und leben in der Isolation.  Dann gibt es Menschen, die sich in einer Religion, spirituellen Ausrichtung oder Lebensform gut zu Hause fühlen, eine Gemeinschaft oder einen Ort gefunden haben, wo sie sich immer wieder gut gründen können und sich zugehörig fühlen. Es ist wichtig, sich gute äussere Bedingungen zu erschaffen, in denen wir uns entspannen können, sicher fühlen und uns ausdehnen können. Dies kann auch in einer kleinen Familie sein, wenn es innerhalb der Familie eine gemeinsame Ausrichtung im Leben gibt, für die es sich lohnt, auch durch Unwegsamkeiten zu gehen. Und genau hier bei den Unwegsamkeiten und der Unruhe möchte ich ansetzen.

Worauf gründe ich mich, wenn Unruhe und Unwegsamkeiten in meinem Leben auftauchen?

Ich gründe mich auf die Zuversicht im Leben, das Alles gut ist, dass Alles Sinn macht – auch das, was mich beunruhigt. Die Unruhe will mich auf Etwas in meinem Leben hinweisen. Es will mich darauf hinweisen, genau hinzuschauen und in mich hinein zu fühlen. Und wenn mir das in meiner Unruhe nicht fühlbar gelingt, dass braucht es für mich Etwas Geistiges – gute Gedanken, die mir helfen, in einem anderen Geisteszustand zu kommen. Folgende Gedanken sind mir dabei sehr dienlich.

  1. Das Gute in meinem Leben zu sehen und dankbar für das zu sein, was ich habe und was mir das Leben alles im Frieden ermöglicht.
  2. Die Wechselwirkung von Ursache und Wirkung im Leben zu sehen und zu verstehen.
  3. Das Menschsein in seinen unterschiedlichen Ausprägungen und Erscheinungsformen – wie Lob und Tadel, Zuneigung und Abneigung, Gewinn und Verlust, Vergnügen und Schmerz – zu erkennen und zu sehen, wie ich das Eine gerne haben möchte und das Andere nicht und daraus wenig Glück entsteht.
  4. Die Vergänglichkeit in allem erkennen und mir sie stets vor Augen halten – jeder Moment ist NEU.
  5. zu erkennen: „Ich wähle, was ich denke. Ich fühle, was ich denke. Ich kreiere, was ich denke.“
  6. Liebe, Verständnis und Mitgefühl für mich.
  7. Liebe, Verständnis und Mitgefühl für andere.
  8. Mein Herz weiten und offen halten für das, was gerade vor mir und in mir ist – für Alles, auch für das, was mir nicht so gefällt (Zuneigung und Abneigung)

Das sind erst einmal die kostbarsten Gedanken, die ich in mir trage, immer wieder abrufe und mir vergegenwärtige und mich dann in unruhigen Zeiten in eine Richtung führen, die mich ruhiger werden lassen. Es kostet schon eine gewisse „Anstrengung und Konzentration“, aber es lohnt sich für mich immer wieder, es zu tun.

Gründung über den Körper

Weiterhin ist es auch in unruhigen Zeiten sehr hilfreich, einen Sinneskontakt über den Körper herzustellen. Dies kann in Form von Bewegungen (Spaziergang in der Natur, Schwimmen, Tanzen, Sport…..),  über die Ohren in Form von Musik hören, über den Mund und Nase in Form von gutem Essen und angenehmen Düften, in Form einer menschlichen Verbindung in einem Gespräch mit einem guten Freund,  in der Sexualität oder die Nähe zu anderen, in Form einer Meditation in Stille oder in Form einer sinnlichen Berührung (Massage) sein. Die sinnliche Massage kann eine Kombination aus verschiedenen Sinneskontakten beinhalten, so dass gleichzeitig mehrere Sinne angesprochen werden und die Aufmerksamkeit voll und ganz auf die körperliche Gründung gerichtet ist. Die Gründung im Körper ist ein sehr wichtiger Aspekt, um sich wieder beruhigen zu können. Der Atem spielt dabei eine wesentliche Rolle. Der Fokus auf das Ein- und Ausatmen ist ein sehr hilfreiches Mittel für die Beruhigung des Körpers und des Geistes.

Und nun? Bin ich jetzt mit dem Wissen glücklicher?

Von meiner Seite aus kann ich sagen, dass ich durch dieses Wissen, deren täglichen Betrachtung und Beherzigung mich auf dem Weg des Glücks befinde.  Ich übe und praktiziere diese Betrachtungen täglich, auch wenn es mir gut geht. Dadurch fällt es mir in schwierigen Zeiten immer mehr viel leichter, mich an diese zu erinnern, sie abzurufen und anzuwenden. Vielleicht ist das ja auch ein möglicher Weg für Dich? Und vielleicht hast Du ja auch den Mut, diesen Weg mit anderen Menschen zusammen zu gehen? Falls Du dabei eine Begleitung in Deiner geistigen oder körperlichen Gründung in Form eines Gespräches oder Massage wünschst und Du gern zu mir kommen magst, dann bin ich gern für Dich da.

Ich freu mich, Dich kennen zu lernen.

Sei herzlich gegrüßt. Carmen Arndt

2 Gedanken zu “Sinn des Lebens

  1. Der Sinn des Lebens ist es auf jeden Fall nicht, immer nur an Geld und Beruf zu denken. Das ist auch der Grund, warum ich Tantra und weiter Bereiche auf diesem Gebiet so mag. In solchen Momenten merkt man, was wichtig und real ist. Und wofür es sich unter anderem auch zu leben lohnt.

  2. Lieber Tantramassage Fan.

    Vielen Dank für Deine Gedanken und für Deine Offenheit, darüber zu schreiben, worin Du nicht den Sinn des Lebens siehst. Diesen Teil, dass das Geldverdienen und die Arbeit, nicht immer alles sein können, fühle ich mit Dir. So ist es eine gute Idee, sich seinem Innersten und seinem Körper, so oft es geht, zu zuwenden und sich vielleicht auch mal in Form einer Massage etwas Gutes zu tun, um sich auf einer anderen Ebene besser zu fühlen und zu lieben.

    Ich stelle mir auch ganz oft die Frage: „Wie wäre ein Leben ohne Geld hier auf dieser Erde?“ Wie wäre ein Leben, wenn niemand mehr arbeiten gehen müsste, um Geld zu verdienen, sondern ein echter Beitrag für die Gesellschaft sein darf – ganz entspannt – jeder nach seinen wahrhaftigen Fähigkeiten? Dafür braucht es wahrlich ein offenes Bewustsein und Herz für das, was uns gut tut und was nicht. Dafür braucht es auch, sich die Erlaubnis zu geben, aus dem herkömmlichen Denken, so wie wir es gewohnt sind, auszusteigen und sich dem Neuen – einer Vision des Lebens als gefühlte Einheit, zu öffnen und zuwenden, in dem wir fühlen, dass wir miteinader verbunden sind und es auch genau auf mich und meine Art zu sein, ankommt. Dafür braucht es auch den Mut, für sich selbst gut sorgen zu können. Sich selbst mit einer Massage zu beschenken, ist dafür eine gute Möglichkeit.

    Vielen Dank noch mal für Deine Worte.

    Sei herzlich gegrüßt.
    Carmen

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